Muztagh Ata – Tagebuch 1-9 Tag

SA 29. Mai Text Brigitta:

Treffpunkt 8:00Uhr Flughafen Kloten. Ganz gespannt schaue ich mich um, wer wohl die nächsten 3 1/2 Wochen auf unserer Abenteuerreise zum Muztagh Ata in China meine Wegbegleiter sein werden.

Dies ist schnell klar: wer ist schon Ende Mai mit Ski und Rucksack mit dem Flugzeug unterwegs! Mit dabei sind Tom unser Bergführer und Expeditionsleiter, Pedro(Arzt), Ernst, Felix, Christian und ich, mein Name ist Brigitta.

Der erste Flug bringt uns nach Istanbul. Die Zeit bis zum Weiterflug nach Biskek verkürzen wir uns mit gegenseitigem Kennenlernen und einem Bier. Die Gesichter werde aber länger, als wir die Rechnung dafür präsentiert bekommen.

Ja, Flughafenpreise sind wohl überall dreimal so hoch wie im Alltag.

In Biskek, Kirgisien, werden wir sehr freundlich von Asel empfangen, unserer Begleiterin für die Reise durch Kirgisien. Mit einem Bus fahren wir zu unserem Hotel, mittlerweile ist es 1:00 Uhr geworden.

SO 30. Mai

Am nächsten Morgen geht es dann mit dem Bus weiter. Eine lieblich hügelige, grüne Landschaft erwartet uns. Je weiter wir ins Landesinnere fahren, desto karger und unbewohnter wird die Landschaft. Der Weg führt durch

Schluchten mit farbigem Gestein, über Pässe, einem breiten Flussbeet entlang. In einer Jurte bekommen wir ein feines einheimisches Essen serviert. Nach einem langen Tag, ca. 470 km, über immer schlechter werdenden

Strassen, erreichen wir unser Jurtennachtlager. Auch hier werden wir wieder sehr herzlich willkommen.

MO 31. Mai

Mit Asel zusammen machen wir eine Wanderung weiter ins Tal hinein, bis zur bekannten historischen Karawanserei Tasch Rabat. Dies ist unsere erste Aklimatisationstour und führt uns bis auf ca. 3500m.Über uns kreisen Adler, riesige Murmeltiere treffen wir überall an.

Wir sind von der einzigartigen Landschaft sehr beeindruckt. Bevor die Reise morgen zur chinesischen Grenze weiter geht, schlafen wir nochmals in den Jurten. Pedro lässt sich das ganz spezielle Saunaritual zusammen mit dem Jurtenchef nicht entgehen.

Di 1. Juni

Frühstück um 7:30 Uhr, ein weiterer langer Reisetag steht uns bevor. Bevor wir uns von unseren Gastgebern verabschieden, manifestiert der Chef mit uns ein ganz spezielles Schamanenritual.

Wir werden mit Kostümen, Haarschmuck, Stöcken und Trommel ausgerüstet, dann geht der eindrückliche Tanz los. Er soll uns für unsere Expedition viel Erfolg und Glück bringen.

Langsam geht die Fahrt über schlechte Naturstrassen weiter Richtung Grenze. Zweimal werden unsere Pässe kontrolliert. Der kirgisische Zoll steht mitten in karger Berglandschaft, meilenweit von jeglicher Zivilisation entfernt.

Nach sehr umständlichen Kontrollen geht es zum Torugart- Pass, mitten im Niemandsland. Hier verabschieden wir uns etwas wehmütig von Asel und dem Fahrer.

Auf der andern Seite der Barriere wartet bereits unser chinesischer Begleiter Akbar und sein Fahrer mit einem Rosa-Bus von Mitsubishi. Nun wird alles Gepäck umgeladen und die Reise geht weiter auf chinesischem Boden.

Mi 2. Juni Text von Aschi:

Die Weiterfahrt führt uns durch eine Steinwüste, ähnlich einem Steinbruch. Bei starken Regenfällen wird die Strasse weggeschwemmt und später einige Meter daneben wieder erstellt. Nach 10 km Fahrt erreichen wir den ersten Check Point an der Chinesischen Grenze. Wir müssen aussteigen und unsere Rucksäcke kontrollieren lassen. Sogar einige Fotoapparate werden genau unter die Lupe genommen und alle Bilder angeschaut. Da unser Busfahrer einen hohen Offizier an der Grenze kennt, geht die Kontrolle relative speditiv vorbei. Bei der Weiterfahrt fallen uns die vielen Bautätigkeiten an der Strasse auf. Nach einer Stunde erreichen wir den Chinesischen Zoll. Jetzt heisst es alles Material ausladen, durch den Röntgenapparat schleusen und auf der anderen Seite wieder einladen. Nach einer Stunde geht die Fahrt Richtung Kashgar weiter.

Nach einem guten Nachtessen erreichen wir unser Hotel. Wir schaffen es auch ohne der Chinesischen Sprache mächtig zu sein, ein Bier zu bestellen und zu geniessen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück bringt uns unser Fahrer zu einer Teppichmanufaktur. Auf dem Weg erleben wir wie in Kashgar Kamel am Spiess zubereitet wird. Tom erweist sich als guter Händler und kommt günstig zu einem Seidenteppich. Nach dem Mittagessen im Gartenrestaurant geht die Fahrt weiter Richtung Subash.

Do 3. Juni Text Christian

Kurz ausserhalb Kashgar fahren wir durch  einer landwirtschaftlichen Gegend vorbei an Reis, Mais- und Getreidefeldern, Hier sehen wir keine modernen Landwirtschaftsmaschinen, gearbeitet wird vorwiegend mit Schubkarren, Esel und Handarbeit, nur ab und zu steht ein verrosteter Traktor von den einfach gebauten Häusern. Das Tal wird enger und auf beiden Seiten türmen sich geröllige Berge in unterschiedlichen Farben von grau-grün, braun bis rot – Zeugen einer rohstoffreichen Region. Tausende von Lastwagen transportieren die Steine aus den Bergwerken in die urbanen Zonen, um dem laufenden Bedarf an Baumaterial zu decken. Wir befinden uns auf dem Karakorum Highway, einem Teil der berühmten Seidenstrasse. Die Strasse verläuft unweit der Grenze zu Tadschikistan und so überrascht es nicht, dass wir wieder an einem militärischen Kontrollposten stoppen müssen. Dank unseren Begleitern können wir ohne Probleme passieren. Während der Wartezeit sehen wir den Abtransport eines komplett demolierten Lastwagens, welcher in einer Kurve von der Strasse abgekommen ist – kein Wunder bei dem Tempo, mit welchem die Lastwagen hier fahren. Auf der Hochebene geniessen wir am See zum ersten Mal eine eindrückliche Sicht vom Muztagh Ata; dieser zeigt sich aber noch nicht in ganzer Grösse, der Gipfel ist im Nebel eingedeckt. Nach einer weiteren Polizeikontrolle erreichen wir Subasch, wo wir in zwei grossen Jurten komfortable Schlafgelegenheiten finden. Zum Nachtessen geniessen wir Spagetti, Gemüse und Reis. Unzählige Eindrücke von Gegensätzen von Moderne und traditionellem Lebensstil, urbanem und landwirtschaftlichen Gegenden und schnell ändernden Temperaturen begleiten uns in den Schlaf.

Fr. 4. Juni: Text Christian

Heute steht der Marsch von Subasch ins Basislager auf dem Programm. Das Gepäck wird auf Kamele geladen, jedes trägt ca. 70 kg Last von ca. 3500 auf 4400 m im Basislager. Unser Marsch dauert vier Stunden vorbei an einer ursprünglichen Bauernsiedlung in einer sehr kargen Hochlandschaft. Im Hochlager stellen wir unsere Zelte auf, neben einem Zelt mit drei Italienern sind wir die einzige Expedition. Schon am ersten Abend brilliert unsere Kochmannschaft mit einem leckeren Essen und bald schon schlüpfen wir in unsere warmen Schlafsäcke für die erste Nacht auf 4400 m.

Sa 5. Juni Text Pedro:

Heute ist Akklimatisationstag; wie ich heute, drei Tage später mit klammen Fingern dem Lap Top einfüttere, zu erleben, ist Anteil davon. Nämlich zu erleben, dass auf dieser Höhe von 4430 m ü M das Wetter und damit die Temperatur in Kürze sehr rasch wechseln kann. Ganz anderes als im Unterland prägt unser Alltag die Körpertemperatur in einem gesundheitlich vernünftigen Rahmen zu halten. Also Wollkappe anziehen auch während des Tages, dann eine weitere Schicht Kleider anziehen. Dann die Sonnenbrille auf die Nasenwurzel setzen um keine Schneeblindheit zu riskieren. Dann wieder ausziehen, weil das Licht im dunkeln Zelt dies erfordert und so fort. Wir reden in kleinen Kreis bei wärmendem Getränk über Notwendigkeiten zur Vorbeugung von Höhenerkrankung, vor allem Kopfschmerzen. Viel trinken, 5 – 6 Liter Flüssigkeit pro Tag mit unterschiedlichem “Gusto”; vom Kaffee über Coke und Onomantien, Rivella, Tee, Aufbaugetränke in verschiedenen Formen, meist als Pulver. Entsprechend prägen auch die vermehrten flüssigen Körperausscheidungen bei Tag und bei Nacht unser individuelles Erleben. Dazwischen Weiterbildung über die vorhandenen Medikamente durch Tom, unterstützt durch meinen beruflichen Hintergrund. Natürlich auch Aktivierung der Sauerstoffmaske im Falle entsprechender gesundheitlicher Notwendigkeit. Auch Repetition von Seiltechniken und allfällige Rettungsbesprechung bei einem Spaltensturz.

Wegen ungewöhnlichem Schneefall können wir einige hundert Höhenmeter als körperliche Angewöhnung direkt vom Basislager aus als kleine Tagesskitour beginnen.

Zurück im Esszelt, offeriert Felix als Aperitif sein beliebt gewordener, an Aroser Luft getrockneter Hirschsalsiz, was nicht nur ihn, entsprechend seinem Namen “glücklich” stimmte. Der Uighurische Koch, der auch ein wenig deutsch spricht, trägt das Seinige dazu bei uns nach dem Hirschsaliz auf kulinarisch-gustatorischer Höhe zu halten.

Pedro

Text Pedro:

Heute steigen wir vom Basislager weiter auf um das Skidepot zu errichten, etwa auf halber Höhe zum Lager 1. Soweit können wir jeweils wieder im Schnee hinunter fahren und müssen dann die Schuhe wechseln um über die Moräne ins Basislager abzusteigen.

Pedro

So 6. Juni Text Felix:

Das Wetter ist schön und wir packen nach dem Frühstück unser Material fürs Lager 1.  Der Rucksack wiegt etwa 10 Kilo. Zelte, Kocher, Seile und anderes Material ca. 70 kg werden auf einen Esel und 2 Trägern verladen. Sie kommen nur langsam Vorwärts im Schnee und geben schliesslich auf ca. 5100 m auf. (unser Material liegt nun dort im Gebirge) Wir steigen zu Fuss zum Skidepot und wechseln auf unseren Ski. Bei grosser Hitze spuren Tom und wir durch den nassen Neuschnee bis 5400 m ins Lager 1 hoch.

Neben den 3 Italienern schaufeln wir unser Podest und lassen alles Material dort oben. Geplant war ja eine erste Übernachtung auf dieser Höhe, doch ohne Zelt und Kocher ist dies um 19.00 Uhr relativ schwierig. Wir entscheiden uns wieder ins BC abzusteigen. Eine super Abend Abfahrt (5400 – 4960) im “Karton Pulver” zeigt uns bald, dass Schwünge in dieser Höhe viel Luft und Kraft brauchen. Nach fast 9 Std. sind wir wieder im BC und geniessen das gute Nachtessen wie immer, und trinken Flüssiges wie Kamele. Heute auch mal ein Bier zum einschlafen.

bald geht es weiter – einen schönen Gruss von unserer Expeditiongruppe an alle!

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  • Fam Heller

    Danke für Eure Berichte. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute. Liebe Grüsse
    Heinz, Selina, Katja und Christoph

  • Brigitte

    Vielen Dank liebe Muztagh Ata “Expeditiönler” für die spannenden Tagebucheinträge! Wünsche euch weiterhin viel Erfolg und rundum gute Verhältnisse. Ich freue mich auf weitere News! E liebe Gruess usem summerleche Seeland! Brigitte

  • ursula metzler

    Herzlichen Gruss an meinen Schwager Ernst und ich
    verfolge Eure Expedition mit Spannung. Good luck! Lieben Gruss aus Schlieren. Ursula